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Training in Sachen Liebe

Finden sie die englische original version hier.

Band 2 der emotionsgeladenen Portland Storm-Reihe von USA Today-Bestsellerautorin Catherine Gayle.

Nachdem er durch seine Verletzungen viel zu lange ausgebremst wurde, ist Portland Storm-Spieler Brenden „Soupy“ Campbell bereit, die nächste Stufe seiner Karriereleiter zu erklimmen und seine neue Position im Team zu verteidigen. Als er die hübsche Assistentin des Geschäftsführers kennenlernt, weiß Brenden, dass er genau da ist, wo er sein sollte.

Da Rachel Shaw entschlossen ist, ihr Leben zu verändern und eine Zukunft für sich und ihre Kinder aufzubauen, ergreift sie die Chance, für Portland Storm zu arbeiten. Sie wird sich durch nichts – und niemanden – daran hindern lassen, erst recht nicht durch einen attraktiven und anmaßenden Hockeystar.

Selbst als Brenden alle Charme-Offensiven ausspielt, weigert sich Rachel, denselben Fehler ein zweites Mal zu machen. Jetzt ist es an Brenden, seinen Platz zu behaupten – sowohl im Team als auch in Rachels Herz.

                         1

Brenden

Meine Oberschenkel brannten, die Schmerzen wurden nur von denen in meiner Lunge übertroffen. Ich kämpfte mich ab, um genug Sauerstoff zu bekommen, damit ich die Runden überstand, die Hammer und ich auf dem Eis drehten, und versuchte, das leichte Stechen in meinem linken Fuß, das von meinem zuletzt gebrochenen Knochen kam, zu ignorieren.

Die Haarrissfraktur war nur eine von unzähligen Verletzungen, die mich in den letzten Jahren daran gehindert hatten, aufs Eis zu gehen und Hockey zu spielen. Seit ich in der Profi-League war, schienen die Blessuren mich wie Raubkatzen zu verfolgen, warteten nur auf die nächste Gelegenheit, zuzuschlagen und mich außer Gefecht zu setzen. Der Knochen war nun geheilt, aber es war das erste Mal, dass ich meinen Fuß beim Sport gebrauchte, das erste Mal, dass ich mir etwas abverlangte. Dies war der einzige Grund, wieso ich mich immer noch ein bisschen angeschlagen fühlte – zumindest war es das, was ich mir selbst einredete.

Mein ganzer Körper fühlte sich allerdings ein bisschen angeschlagen an, das war schon seit Jahren so.

„Noch zwei Runden, Soupy – so schnell, wie du kannst“, sagte Hammer. Daniel „Hammer“ Hamm war einer der Co-Trainer von Portland Storm, dem Team, für das ich in der National Hockey League spielte. Heute hatte er die Aufgabe, mich durch den Wolf zu drehen, um zu testen, ob ich bereit war, ins Spiel zurückzukehren. „Komm schon. Schneller.“

Verdammt. Er klang nicht einmal außer Atem und ich bekam kaum noch Luft.

Ich hatte über fünf Wochen aussetzen müssen. Ich hatte mich einen Monat nach Saisonstart verletzt, als wir gegen die Bruins in Boston spielten. Aus irgendeinem bescheuerten Grund hatte ich es für eine gute Idee gehalten, einen Schlagschuss von Zdeno Chara mit meinem Fuß zu blocken. Zugegeben, ich hatte mich nie zuvor einem seiner Schüsse gestellt, also wusste ich nicht, wie hart sie wirklich waren. Vielleicht hatte ich mich zu sehr bemüht, zu beweisen, dass ich es in der NHL schaffen konnte, dass ich in die Major und nicht in die Minor League gehörte. Was auch immer mein Grund gewesen war, diesen Schuss zu blocken, es war gewaltig in die Hose gegangen.

Wahrscheinlich hätte ich einen Fußschoner für zusätzlichen Schutz tragen sollen, aber das hatte ich nicht getan. Ich mochte einfach nicht, wie er sich über den Schlittschuhen anfühlte. Es war, als würde er mich in meinen Bewegungen einengen, mein Tempo verlangsamen.

Fließende Bewegungen beim Eislaufen und Geschwindigkeit waren nie meine Stärken gewesen, etwas, woran mein Dad – selbst ehemaliger NHL-Spieler – mich oft genug erinnerte. Ich konnte nicht riskieren, mehr Tempo zu verlieren, also hatte ich mich geweigert, den Fußschutz zu tragen – genauso, wie ich mich gegen einen Gesichtsschutz an meinem Helm gewehrt hatte, weil dieser meine Sicht einschränkte. Ich konnte nicht noch etwas gebrauchen, was meine Erfolgschancen in dieser League schmälerte. Auch wenn das bedeutete, dass ich vielleicht ein paar Mal mehr im Gesicht genäht werden musste.

Gut, dass ich nie viel Wert auf mein Aussehen gelegt hatte.

Mein Handgelenkschuss und meine Bereitschaft, mich auf dem Eis mitten ins Getümmel zu stürzen, waren die beiden einzigen Dinge, die dafür sprachen, dass ich in der NHL blieb. Das und die Bereitschaft, meinen Körper für mein Team einzusetzen. Diese Fähigkeiten hatten mich hierhergebracht und sie könnten dafür sorgen, dass ich bleiben konnte – zumindest sobald der Mannschaftsarzt zustimmte, dass ich zuerst am Training und dann auch wieder an den Spielen teilnahm.

Ich atmete so tief ein wie möglich und bewegte meine Beine kräftig, um mit Hammer Schritt zu halten. Er war in seinen Spielertagen verdammt schnell gewesen, bevor er Trainer geworden war. Schon immer hatte sein Eislaufen eine Leichtigkeit besessen, die angesichts seiner Größe widersinnig erschien. Obwohl er seit mehr als zehn Jahren kein aktiver Spieler mehr war, hatte er kein bisschen an Geschwindigkeit verloren.

Ich musste alles geben, um nicht hinter ihm zurückzubleiben.

Wir umrundeten das Tor und liefen ein letztes Mal zur Mitte des Spielfelds. Sobald ich dort angekommen war, blieb ich stehen, beugte mich vornüber und stützte meine Hände auf den Knien ab. Ich pumpte so viel Luft durch meine Lungen, wie ich konnte. Fast musste ich kotzen, doch ich schluckte die Galle mit aller Macht hinunter.

Nach und nach trudelten die restlichen Spieler zum heutigen Training ein. Ich schaute auf und sah Eric Zellinger, meinen besten Freund und Mannschaftskapitän, der mich von der Bank aus beobachtete.

Zee war nicht nur mein bester Freund. Nicht mehr. Er hatte letzte Saison begonnen, mit meiner Schwester Dana auszugehen. Das hatte für ein Riesendurcheinander in unserer Beziehung, in Zees und meiner, gesorgt und es war immer noch nicht alles gut zwischen uns. Auf jeden Fall besser, aber nicht wie zuvor. Es war hauptsächlich meine Schuld und das wusste ich auch. Doch es war nicht einfach, mir vorzustellen, wie irgendwer meine Schwester berührte – nach allem, was sie durchgemacht hatte. Schließlich wusste ich, dass sie jahrelang – nachdem sie vergewaltigt worden war – schlimme Panikattacken bekommen hatte, wenn irgendein Mann sie anfasste, selbst bei Dad und mir.

Zee nickte mir zu, doch das war alles. Er hatte einiges zu tun und ich durfte mich noch nicht beteiligen, weil ich auf der Reserveliste der verletzen Spieler stand.

Hammer klopfte mir auf die Schulter, während ich noch nach Luft rang. „Gut gemacht, Soupy. Wenn du geduscht hast und beim Arzt warst, will Jim dich in seinem Büro sehen.“

Es überraschte mich nicht, dass Jim Sutter, der Geschäftsführer von Portland Storm, mit mir sprechen wollte. Alles deutete darauf hin, dass ich morgen wieder zum Training kommen durfte. Und wenn alles gut lief, könnte ich für das Spiel am Freitag gegen die Pittsburgh Penguins wieder aufgestellt werden.

„Yeah, mache ich, Hammer.“

Er lief zu den Jungs auf anderen Seite des Felds hinüber, die auf das heutige Training warteten. Ich ging zu den Duschen und dann zu Dr. Mitchell, dem Chefarzt des Teams.

Doc machte neue Röntgenaufnahmen, um sicherzustellen, dass alles so war, wie es sein sollte. Er schaute sie sich an, dann drückte und knetete er mehrmals meinen Fuß, betrachtete ihn aus jedem Winkel. „Keine Schmerzen nach dem Eislaufen heute?“

Schmerzen waren relativ und ich konnte mich an keinen Zeitpunkt in der näheren Vergangenheit erinnern, an dem ich hätte sagen können, dass ich wirklich schmerzfrei war. Jedem, der so viele Verletzungen in seiner Karriere erlitt wie ich, ginge es ähnlich. „Er ist ein bisschen empfindlich“, sagte ich. „Nichts, was ich nicht durchstehen kann, und nichts, was sich nicht mit mehr Bewegung bessert.“

„Wie nah bist du an einsatzbereit?“ Doc hielt eine weitere Aufnahme ins Licht und studierte sie. „Siebzig Prozent? Achtzig?“

„Einhundert Prozent einsatzbereit.“ Ich hielt es nicht aus, länger herumzusitzen als unbedingt nötig. Der Gedanke, noch eine weitere Woche von der Pressetribüne aus zuzuschauen, mit meinen Füßen in normalen Schuhen statt Schlittschuhen, bereitete mir körperliches Unbehagen. „Ein leicht schmerzempfindlicher Fuß wird mich nicht langsamer machen, als ich es ohnehin schon bin.“

„Hmm.“

Was zur Hölle hieß hmm? Doc schaute mich nicht einmal an. Er musterte weiter die Aufnahmen und blätterte durch meine Krankenakte.

„Bin ich also wieder zum Training zugelassen?“, fragte ich und bemühte mich noch nicht einmal, meinen Frust zu verbergen. Es war nicht seine Schuld, aber ich war echt nah dran, durchzudrehen, weil ich gezwungen war, vom Rand zuzuschauen. „Kann ich wieder spielen?“

Er antwortete mir nicht. Stattdessen kritzelte er etwas auf einen Notizblock, der wie ein Rezeptblock aussah, riss den Zettel ab und steckte ihn in einen Umschlag. „Du gehst hoch zu Jim, richtig? Gib ihm das.“

Damit reichte er mir den Umschlag und ging. Meine Krankenakte und die Röntgenaufnahmen nahm er mit.

Arschloch. Er hätte auch einfach meine Frage beantworten können. Wie schwer wäre das schon gewesen? Es hätte nur zwei Sekunden gedauert.

Doch das hatte er nicht getan.

Ich lief hoch zur nächsten Etage, wo sich die Büros der Führungskräfte des Teams befanden.

Am Ende des Hauptgangs, vor einem großen Eckbüro, strich sich Martha Alvarez ihr silbergraues Haar hinters Ohr und schob die Bifokalbrille auf ihrer Nase hoch. Dabei sah sie nicht einmal von ihrem Computerbildschirm zu mir auf. Sie war Jims Assistentin und wahrscheinlich die effizienteste Person, die ich kannte. Sie bekam alles mit; nichts ging jemals verloren. Wenn man irgendetwas brauchte, kümmerte sich Martha entweder selbst darum oder verwies einen an jemanden, der das tun konnte.

„Geh ruhig rein, Campbell“, sagte sie. „Jim erwartet dich.“ Sie schob einen Teller mit selbstgemachten Keksen näher an die Tischkante, damit ich sie sehen konnte. Nicht dass ich sie nicht bemerkt hätte. Gleich am Anfang meiner Zeit bei Portland Storm hatte ich gelernt, dass Martha immer Kekse auf ihrem Schreibtisch hatte, und ich hatte mir angewöhnt, diese Tatsache voll auszunutzen. Es erinnerte mich an meine Mom.

Martha war eine der wenigen, die mich nicht Soupy nannten. Für meine Familie war ich Brenden und Martha nannte mich Campbell. Jim wechselte zwischen allen Bezeichnungen, ohne dass es eine Bedeutung hatte. Er hatte einige Jahre mit meinem Vater gespielt und Dad war für seine Mannschaftskollegen auch immer Soupy gewesen. Die Verwendung von Spitznamen ist üblich in der Eishockeywelt und kein Spitzname liegt näher als Soupy, wenn jemand mit Nachnamen Campbell heißt.

„Danke, Martha“, sagte ich. Sie nahm keine Notiz von mir, war zu vertieft in was auch immer sie gerade machte. Ich nahm mir zwei Kekse und klopfte an die offene Tür. „Du wolltest mich sehen?“, sagte ich, als Jim Sutter sich auf seinem Chefsessel zu mir umdrehte.

Er nickte und deutete auf den Stuhl ihm gegenüber. „Wie war es, wieder auf den Schlittschuhen zu stehen? Ich habe Hammer gesagt, er soll dich wirklich fordern und sehen, was du schon schaffst.“

„Es fühlte sich gut an.“ So gut, wie sich eine Runde intensives Schlittschuhlaufen anfühlen konnte, nachdem ich über einen Monat nicht auf dem Eis gewesen war. Ich schob ihm den Umschlag über den Tisch zu. „Doc hat mir aufgetragen, dir das zu geben.“

„Keine Schmerzen? Keine Schmerzempfindlichkeit?“ Jim zog Docs Notiz heraus und überflog sie, dabei schaute er durch den unteren Teil seiner Brille. „Er meint, du warst noch ziemlich außer Atem, als du zu ihm kamst, und dein Fuß war etwas schmerzempfindlich, als er daran herumgedrückt hat.“

„Ich werde in Nullkommanichts wieder in Wettkampfform sein. Ein oder zwei Spiele, länger wird es nicht dauern.“ Es war leichter, die Kondition, die man zum Hockeyspielen brauchte, wiederzuerlangen, indem man wirklich Hockey spielte – besser als Runden zu laufen oder stundenlang auf einem Trainingsrad zu sitzen.

„Hmm.“

Ich begann, hmm zu hassen.

„Lässt er mich am Training teilnehmen?“, fragte ich, als Jim sich immer noch nicht weiter näher äußerte. „Ich bin so weit, Jim. Ich kann meinen Beitrag leisten. Ein paar Tage oder eine Woche länger zu warten, wird es nicht besser machen.“

Er legte die Notiz auf seinen Schreibtisch und nahm seine Brille ab. „Doc hat seine Zustimmung gegeben. Du kannst ab morgen wieder am vollen Training teilnehmen.“

Das wurde auch Zeit.

Er klappte die Bügel ein und legte die Brille auf den Tisch. „Aber …“

Aber war noch schlimmer als hmm. Verdammt viel schlimmer. Mein Kiefer arbeitete bereits – ich konnte mich nicht zurückhalten – und ich hatte keine Ahnung, was nun kam.

„Du musst wieder auf Wettkampfgeschwindigkeit kommen, bevor du bei einem Spiel eingesetzt wirst“, sagte er. „Die Jungs haben im Moment eine wirklich gute Phase, arbeiten prima zusammen und holen in einem guten Tempo Punkte. Ich möchte die Chemie nicht durcheinanderbringen, indem ich jemanden dazuhole, der den Anforderungen nicht entspricht.“

Er schickte mich zurück in die AHL – zu Seattle Storm, dem Minor League-Team von Portland Storm. Er musste es nicht einmal aussprechen. Das konnte ich an seinem Gesicht ablesen. Ich hatte in meiner Karriere genug Gespräche mit Geschäftsführern gehabt, um das zu wissen. „Das ist Blödsinn, Jim. Ein einziges Spiel. Das ist alles, was ich brauche.“

Er sah mich mit diesem besänftigenden Blick an, so dass ich ihm am liebsten einen Faustschlag versetzt hätte. „Ich kann es nicht verantworten, dass du dem Spiel auch nur für einen Abend hinterherläufst, Brenden. Es geht nicht, dass die Jungs die Lücke füllen, die du offenlässt. Es ist ja keine dauerhafte Rückabtretung –“

„Nein, nur bis du mich woandershin transferierst“, sagte ich bissig. „Oder hoffst du, dass jemand mich übernimmt, nachdem du mich auf den Waiver gesetzt hast?“

„Beruhigst du dich mal bitte für einen Moment? Ich tausche dich nicht ein. Das habe ich auch nicht vor. Du kommst nicht auf den Waiver.“

Ich kam nicht auf den Waiver? Das ließ mich innehalten. Ich setzte mich aufrechter hin und versuchte, mich zu beruhigen. Normalerweise hatte ich mein Temperament besser unter Kontrolle, doch das ganze untätige Herumsitzen der vergangenen Wochen hatte an mir genagt. „Sorry“, murmelte ich.

„Ich möchte dich nach Seattle schicken, damit du wieder in Form kommst. Laut Tarifvertrag geht das aber nur, wenn du dem zustimmst, deshalb unterhalten wir uns darüber.“

„Ich möchte nicht nach Seattle, ich möchte hier spielen.“

„Das weiß ich. Das möchten wir auch.“ Jim beugte sich vor und stützte die Ellbogen auf den Tisch. „Es geht um Folgendes: Scotty und ich haben dich heute beobachtet, als du mit Hammer auf dem Eis warst. Wir denken, du bist noch nicht so weit, wieder zu spielen – nicht in Anbetracht dessen, wie gut die Jungs in der letzten Zeit ohne dich gespielt haben. Wenn du nach Seattle gehst, wirst du morgen eingesetzt. Wenn du hierbleibst, arbeitest du weiter mit Hammer und schaust von der Pressetribüne zu, bis Scotty findet, dass du dir deinen Platz in der Aufstellung wieder verdient hast, oder bis einer der Jungs sich verletzt oder in seiner Leistung nachlässt. Das kann ein paar Spiele dauern. Das können ein paar Wochen sein. Wir müssen wissen, dass du deine bestmögliche Leistung bringen kannst, sobald du das Eis betrittst. Weniger ist nicht genug.“

Es mochte nicht so schlimm sein, wie ich angenommen hatte, doch es gefiel mir trotzdem nicht. „Aber du brauchst meine Zustimmung?“ Ich versuchte, zu entscheiden, was übler war – für einige Spiele zurück in die Minor League geschickt zu werden oder noch ein paar mehr auf der Pressetribüne auszusitzen.

„Es wäre nur für eine Woche. Seattle hat drei Spiele geplant, alle vor Ort. Keine Reisen. Du bekommst Spielzeit in der besten Reihe und dann kehrst du wieder zu uns zurück.“

„Du versprichst, dass du mich auch nach Ablauf dieser Verweisung an die AHL nicht auf den Waiver setzt?“

„Ich habe dich nicht vor dem Sommer verpflichtet, damit du so viel Geld bekommst und in Seattle spielst“, sagte Jim. „Ich habe dich verpflichtet, damit du hier spielst.“

Ich wusste, dass er ehrlich zu mir war, doch mein Instinkt warnte mich, dass ich Geschäftsführern gegenüber misstrauisch sein musste. Zu viele von ihnen hatten mich aufgegeben. Zu viele hatten mir das eine gesagt und etwas anderes getan. Es änderte nichts, dass er einer von Dads alten Freunden war. Es fiel mir schwer, Jim Sutter in dieser Hinsicht zu vertrauen, obwohl er persönlich nichts getan hatte, was mein Misstrauen verdiente.

„Yeah“, sagte ich. „Schon klar.“

„Sie erwarten dich morgen pünktlich zum Vormittagstraining. Ich lasse Martha ein Hotel für dich buchen und dann sehen wir dich in einer Woche wieder.“

Ich wollte ihm erneut widersprechen, auch wenn ich noch nicht wusste, was ich sagen würde, als ich den Mund öffnete. Doch Martha klopfte an und schaute zur Tür rein, wodurch sie verhinderte, dass etwas rauskam.

„Rachel Shaw ist hier, Jim.“

„Sag ihr, ich bin gleich für sie da“, sagte er. Dann wandte er sich wieder zu mir. „Also, du lässt dich auf die Vereinbarung ein, richtig? Du stellst dich nicht dagegen? Ich denke, das ist das Beste für dich und Portland Storm.“

Ich blickte finster drein. Doch wenn ich nach Seattle ging, würde ich wenigstens eingesetzt. Nicht bei den Spielen, die ich wollte, aber es war immerhin etwas. Er hatte kein Geheimnis daraus gemacht, was passieren würde, wenn ich in Portland bliebe. Verdammt. „Yeah, ich mach’s.“

Er stand auf und schüttelte mir die Hand. Dann verließ ich sein Büro.

Ich war so aufgebracht, dass ich fast die betörendste kleine Rothaarige, die ich je gesehen hatte, umgerannt hätte. Sie trat drei schnelle Schritte zurück und ich streckte meine Hand aus, um ihr zu helfen, das Gleichgewicht zu bewahren. Ihre grünen Augen weiteten sich und ihre Lippen formten ein O. Es sah aus, als hätte Peter Pans Tinkerbell Feenstaub über ihre Nase und ihre Wangen gestreut und dieser wäre zu Sommersprossen geworden.

Sie war absolut nicht mein Typ, zumindest nicht mein gewöhnlicher Typ. Ich stand normalerweise auf langbeinige Brünette, auf Mädchen, die in jeder erdenklichen Hinsicht ein perfektes Gesamtpaket waren. Diese Frau hätte nicht deplatzierter wirken können. Die Kleidung stammte wahrscheinlich aus einem Secondhandladen und passte nicht richtig. Ihre Haare standen in alle Richtungen aus dem Pferdeschwanz ab. Der Mantel war nicht annähernd warm genug für das hiesige Wetter und das Material ihrer Handtasche war schäbig und mit etwas bedeckt, was wie Katzenhaare aussah.

Trotz alldem konnte ich nicht aufhören, sie anzustarren.

Heiliger Bimbam.

„Tut mir leid“, sagte ich, als ich mich wieder gesammelt hatte. „Ich hätte besser aufpassen sollen, wo ich hintrete.“

„Nichts passiert. Ich bin okay.“

Allerdings sah sie nicht so aus. Sie wirkte, als hätte sie Angst. Ich hoffte wirklich, ich war nicht der Grund dafür, aber wahrscheinlich war ich das. Sie schüttelte kurz den Kopf und löste sich von mir. In einer einzigen Bewegung steckte sie eine Locke hinter ihr Ohr und richtete den Riemen ihrer Handtasche auf ihrer Schulter. Dann ging sie in einem weiten Bogen um mich herum und trat mit Martha in Jims Büro. Sie spähte über ihre Schulter zu mir zurück, während sie drinnen verschwand.

Das war also Rachel Shaw. Wer auch immer Rachel Shaw war.

„Na gut“, sagte ich zu ihrem Rücken. Ich schaute ihr viel zu lange hinterher, bevor ich wieder nach unten zur Umkleide ging. Ich dachte mir, ich könnte schon einmal zusammensuchen, was ich an Ausrüstung mitnehmen musste. Doch ich bekam sie nicht mehr aus meinem Kopf. Sie hatte eindeutig einen hübschen Hintern, diese Rachel Shaw. Einen sehr hübschen. Rund über ihren kurzen Beinen.

Im Moment sollte ich keinesfalls an so etwas denken wie den runden Hintern von irgendeiner kleinen Rothaarigen mit Sommersprossen wie Feenstaub.

Nicht wenn ich mir selbst und allen anderen beweisen musste, dass ich in die NHL gehörte.

Rachel

Es hätte wirklich nicht so schwierig sein dürfen, sich auf dieses Interview zu konzentrieren. Nicht, nachdem ich in den letzten Tagen eine wahre Spezialistin auf diesem Gebiet geworden war. Doch ich konnte nicht aufhören, an den Mann zu denken, der vor ein paar Minuten direkt in mich hineingelaufen war. Er war riesig. Ich wusste, dass Profisportler im Allgemeinen größer sind als der Durchschnitt, und niemand würde meine 1,60 Meter je als groß bezeichnen, aber – heiliger Strohsack!

Apropos imposante Erscheinung: Wenn ich für ein NHL-Team arbeiten sollte, würden mich die ganze Zeit Männer von seiner Größe umgeben. Na ja, Maddie hätte zumindest nichts mit ihnen zu tun. Für mich wäre es nicht so schlimm und ich brauchte einen Job.

Ich hätte vielleicht aufhören können, an ihn zu denken, wenn er nicht so gut ausgesehen hätte. Nicht nur normal gut, sondern wie ein Filmstar – ein bisschen wie Pierce Brosnan, als er noch jünger war. Ich dachte, alle Hockeyspieler hätten die Hälfte ihrer Zähne eingebüßt, besäßen krumme, gebrochene Nasen und hätten überall genähte Wunden und blaue Flecken. Er hatte eine lange Narbe auf einer Wange, die zu Rosa verblasst war, doch das war so gut wie der einzige Makel, den ich feststellen konnte, wenn ich seine kantigen Wangenknochen, seine völlig gerade Nase und die durchdringenden braunen Augen betrachtete.

Und das wirkte mehr als nur ein bisschen entwaffnend.

„Ich bin ein wenig neugierig“, sagte Mr. Sutter und schaute mich über den Rand seiner Brille hinweg an. Ich schreckte hoch und richtete meine Aufmerksamkeit wieder auf das, was wichtig war. „Ich frage mich“, fuhr er fort, „warum mir die Arbeitsvermittlung Sie zu einem Bewerbungsgespräch schickt, wenn es sich um eine Stelle in der Verwaltung handelt, während Sie bisher nur Berufserfahrung in der Industrie haben.“

Ich kannte den Blick, den er mir zuwarf. Den Zweifel darin. Ich war in der letzten Woche bei einem Dutzend Bewerbungsgesprächen gewesen und in jedem einzelnen davon wurde selbst der winzigste Gedanke daran, mich einzustellen, kurzerhand beiseitegeschoben, nur aus dem einfachen Grund, weil ich noch nie im administrativen Bereich gearbeitet hatte.

Um genau zu sein, nicht in allen. Die Frau in der Arztpraxis am Freitag hatte sich von diesem Umstand nicht beeinflussen lassen. Ihr Problem war, dass ich kein College besucht hatte und statt eines Highschool-Diploms nur einen Abschluss vorweisen konnte, den ich auf dem zweiten Bildungsweg erworben hatte.

Ich brauchte nur jemanden – irgendjemanden –, der über meine mangelnde Erfahrung und Schulbildung hinwegsah und mir eine Chance gab. Ich konnte alles schaffen, wenn ich es nur wollte, und ich würde es beweisen. Aber ich konnte es nur beweisen, wenn mir jemand die Gelegenheit dazu bot.

Ich kämpfte gegen meinen Frust an und atmete tief durch, um meinen Kopf freizubekommen. „Ich möchte mich beruflich neu orientieren“, sagte ich so ruhig, wie ich konnte. „Ich habe niemanden, der mir mit meinen Kindern hilft, deshalb müsste meine Arbeitszeit dann liegen, wenn sie in der Schule sind. Als ich in der Industrie arbeitete, hatte ich immer die zweite Schicht, die mittags anfing. Ich musste arbeiten, wenn sie zu Hause waren.“

Und dann war die Hölle losgebrochen.

Ich konnte nicht mehr viel länger ohne Arbeit durchhalten. Ich musste irgendetwas finden, und zwar sofort. Ich konnte es mir nur noch ein paar Tage leisten, das Hotelzimmer zu bezahlen und meinen Kindern, Madison und Tucker, etwas zu essen zu kaufen. Nicht mehr lange, und wir hatten die Überreste meiner betrieblichen Rentenvorsorge, die ich mir hatte ausbezahlen lassen, aufgebraucht. Und was sollte ich dann tun? Das Auto verkaufen? Es wäre nicht einfach, ohne Auto einen Job zu bekommen, und ich bezweifelte, dass der Wagen viel einbringen würde, so alt, wie er war.

Mrs. Alvarez lehnte sich zu mir herüber und kniff die Augen zusammen. Sie schüchterte mich mehr ein als Mr. Sutter. Es lag an ihrem Blick. Sie schien durch einen hindurchzuschauen und all die Dinge zu sehen, die man lieber für sich behalten hätte.

Ich bewegte mich auf meinem Stuhl und schlug die Beine andersherum übereinander.

„Doch Sie hatten jemanden, der Ihnen geholfen hat, als sie noch in Texas waren?“, fragte sie.

„Ja. Aber nun nicht mehr.“

Er würde ganz bestimmt nie wieder in die Nähe meiner Kinder kommen. Doch wenn ich jetzt weiter an Jason dachte, würde das nur mein Blut zum Kochen bringen. Entweder das oder ich würde anfangen, zu weinen, und weder das eine noch das andere würde mir helfen, diesen Job zu bekommen.

„Hmm“, machte Mr. Sutter.

Das sagten sie bei Vorstellungsgesprächen gewöhnlich, bevor sie sich bedankten, dass ich gekommen war, und mich zur Tür hinausbegleiteten. Ich hatte nicht die Absicht, das heute wieder geschehen zu lassen. Langsam war ich nämlich ziemlich verzweifelt, oder vielleicht auch sehr verzweifelt, und diese Verzweiflung ließ mich Dummheiten begehen.

„Sehen Sie mal“, begann ich, bevor ich es mir anders überlegen konnte, und ich sagte es bestimmt eindringlicher als alles, was ich hervorgebracht hatte, seit ich meinen Fuß in dieses Gebäude gesetzt hatte. „Ich kann hart arbeiten. Sie werden niemanden finden, der härter arbeitet als ich. Vielleicht kann ich noch nicht alles, was zu meiner Arbeit für Sie gehört, aber bisher habe ich es immer geschafft, jede Herausforderung zu meistern, und ich lerne schnell. Ich war eine ausgezeichnete Schülerin in der Highschool, bis ich schwanger wurde. Ich habe in der Industrie gearbeitet, weil das der einzige Job war, den ich ohne Highschool-Diplom bekommen konnte, abgesehen von einem Arbeitsplatz an einem Autoschalter. Und in der Industrie verdiente ich mehr Geld und bekam Vorsorgeleistungen, die ich bei einer Fast-Food-Kette nicht gehabt hätte.“ Endlich holte ich Luft und schaute, welche Reaktion meine Worte hervorriefen.

Statt mir einen bösen Blick zuzuwerfen, als ob er mich seines Büros verweisen wollte, weil ich ihn um einen Job geradezu anbettelte, wirkte Jim Sutter – ich weiß nicht, wie ich es anders beschreiben soll –, er wirkte interessiert. Das brachte mich aus dem Konzept. Es brachte mich tatsächlich völlig aus dem Konzept.

„Können Sie tippen?“, fragte er, lehnte sich auf seinem Stuhl zurück und legte die Fingerspitzen aneinander. „Können Sie mit Textverarbeitungsprogrammen und Tabellenkalkulationen und Ähnlichem umgehen?“

Ich nickte. „Das habe ich in der Mittelstufe gelernt.“

Mrs. Alvarez starrte mich an und überflog dann den Lebenslauf, den ich ihnen gegeben hatte. Sie hob ihren Blick wieder, um mich anzusehen. „Sie haben hier keine Telefonnummer angegeben und als Adresse ein Hotel. Wovor laufen Sie weg?“

„Ich ...“ Okay, wenn ich vorher gedacht hatte, ich wäre aus dem Konzept gebracht – nun fühlte ich mich wirklich in die Enge getrieben. Ich war nicht darauf vorbereitet, solche Fragen zu beantworten. Sie waren mir zu persönlich. Doch ich brauchte einen Job, und dies erschien mir immer mehr wie meine einzige echte Chance, einen zu bekommen. „Jemand hat meinem Kind etwas zuleide getan. Er kann ihr nun nichts mehr tun. Er ist im Gefängnis. Ich wollte ihr einen neuen Anfang ermöglichen, ihr die Chance geben, von vorn zu beginnen und ihr Leben so zu gestalten, wie sie es möchte.“ Das wünschte ich mir für uns alle, nicht nur für Maddie ... aber besonders für sie.

„Darum haben Sie Texas verlassen“, stellte Mrs. Alvarez fest, während Mr. Sutter sich zurücklehnte und ihr die Gesprächsführung überließ. „Aber warum sind Sie nach Portland gekommen? Sie hätten sich überall niederlassen können, warum ausgerechnet hier? Sie sagten, dass Sie niemanden haben, der Ihnen mit den Kindern hilft. Also, was hat sie nach Portland gebracht?“

Mein Grund klang dumm, sogar in meinen Ohren. Ich lachte halbherzig, doch ich erzählte es ihnen trotzdem. „Als ich noch ein Kind war, waren wir hier auf einem Familienurlaub. Wir besichtigten alle Sehenswürdigkeiten und machten das, was Touristen so machen. An unserem letzten Tag zeigten sie mir den größten Buchladen der Welt, die Powell’s City of Books, und ich dachte, das wäre überhaupt das Allerbeste, was ich je gesehen hatte: Bücher über Bücher über Bücher. Ich hätte darin verloren gehen können und wäre am liebsten nie wiedergefunden worden. Ich dachte, so etwas wäre vielleicht gut für meine Tochter. Es wäre ein Ort, wo sie eine Weile in eine andere Welt eintauchen könnte.“ Eine erdachte Welt war verdammt viel besser als die wirkliche Welt, in der sie in der letzten Zeit gelebt hatte.

Nach dieser jämmerlichen Erklärung war ich ziemlich sicher, dass sie das Bewerbungsgespräch umgehend beenden würden. Wer nimmt seine ganze Familie und zieht mit ihr quer durchs Land nur wegen eines beknackten Buchladens? Niemand, der bei klarem Verstand ist.

Wahrscheinlich war ich auch nicht mehr bei klarem Verstand. Lieber Himmel, wie konnte es passieren, dass sich dieses Gespräch so weit vom eigentlichen Thema entfernt hatte? Warum hatte ich das zugelassen? Am besten beendete ich es jetzt selbst, bedankte mich, stand auf und ging. Und dann würde ich schauen, zu welchen anderen Arbeitgebern mich die Arbeitsvermittlung noch schicken würde.

Bevor ich das tun konnte, fragte Mr. Sutter: „Haben Sie sie schon zu Powell’s mitgenommen?“

Ich nickte. „Am Wochenende.“

„Und? Hat es geholfen?“

Maddie, Tuck und ich hatten den ganzen Samstagnachmittag dort verbracht. Wir besuchten jede der vielen Etagen und folgten dem Lageplan, um herauszufinden, wo sich die Bücher befanden, die wir am liebsten lasen. Als sie das Geschäft „Stadt der Bücher“ nannten, haben sie nicht übertrieben. Der Ort war genauso magisch, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Natürlich hatten Maddie und Tuck beide einen Stapel Bücher gefunden, die sie sich genauer ansehen wollten, und wir hatten uns in eine Ecke verkrochen und stundenlang gelesen.

Ich hatte ein schlechtes Gewissen, weil wir so viel Zeit dort verbracht und in so vielen Büchern gelesen hatten, als wäre es eine Bibliothek und kein Geschäft. Deshalb gab ich nach, als wir aufbrachen, und kaufte beiden ein Buch. Das bedeutete, dass ich mindestens für eine Weile zu Mittag Ramen-Nudeln essen würde statt etwas, was satter machte. Doch das war es wert, wenn ich dafür meinen Kindern Bücher kaufen konnte. Maddie hatte ihr Buch bereits ausgelesen und ein zweites Mal damit begonnen und dabei war heute erst Montag!

„Ja“, sagte ich schließlich. „Es hilft.“

Er nickte, doch dann starrte er mich so lange an, dass ich auf meinem Stuhl hin und her rutschte.

Mrs. Alvarez richtete den Stapel Unterlagen, der vor ihr lag, und sagte dann zu ihm: „Das ist sie.“

Ist – was?

„Ja, das ist sie“, sagte Mr. Sutter ohne eine Erklärung. Er erhob sich, ging um seinen Schreibtisch herum und setzte sich auf einen leeren Stuhl zwischen mich und Mrs. Alvarez. Er nahm seine Brille ab und schaute mich aufmerksam an. „Wenn Sie meine neue Assistentin werden und lernen, Martha zu ersetzen, kann ich Sie mit Ihren Kindern nicht in einem Hotel wohnen lassen. Warum tun Sie das?“

Als wäre das Gespräch zuvor noch nicht zu persönlich gewesen … Jetzt war es das wirklich, aber merkwürdigerweise fand ich es angenehm, mit Jim Sutter zu sprechen. Mit beiden. „Ich kann keinen Mietvertrag unterschreiben, bis ich einen Job, eine Einkommensquelle, und genug Geld für eine Kaution und Miete habe.“

„Wir sind hier mehr eine Familie als eine Firma“, sagte er. „Wir sind Portland Storm, doch wir sind nicht bloß ein Team. Wir kümmern uns um die, die zu uns gehören.“

Ich hatte nicht die geringste Ahnung, was er damit meinte.